Vortrag im Lingnerschloss am Freitag, dem 24. Februar 2012, 19.30 Uhr
Referent: Dr.-Ing. habil. Matthias Lerm, Architekt
Der reich bebilderte Vortragsabend im Lingnerschloss widmet sich den aktuellen Herausforderungen an eine zukunftsfähige Stadtentwicklung Dresdens. Angesprochen werden dabei Fragen des räumlichen Gestaltens, einer möglichst kompakten und qualitätsvollen Stadt- und Siedlungsentwicklung sowie der überfälligen Klimaanpassung.
1. Woher?
Im ersten Vortragsteil wird zurückgeblickt
auf 80 Jahre einer Stadtplanung, die räumlich gefasstes Stadtgewebe bis
auf wenige Ausnahmen vernachlässigt hatte. Raumorientierter Planung wird
eine Stadtauffassung gegenübergestellt, die die Auflösung der Stadtstrukturen
in flächige Gebilde geringer Dichten, zusammengehalten nur durch Verkehrsbänder,
betrieb. Die weitgehend in Vergessenheit geratene raumbildende europäische
Stadtkultur wird hergeleitet und anhand ermutigender Beispiele verständlich
gemacht.
Nach einer auch dem Gespräch gewidmeten
Pause schließt sich der zweite Teil an:
2. Wohin?
Grundverschiedene Bauweisen können hinsichtlich
der Dichte ganz ähnlich sein. So weisen Quartiere der Äußeren Neustadt
und die Würfelhäuser Striesens Dichten von ca. 300 Einwohnern pro Hektar
auf – eine gute Ausstattung mit Handel und Gastronomie, wohnnahen
Kitas, Schulen und öffentlichem Verkehr ermöglichend.
Auch die Bebauung des Neumarktes ist hinsichtlich
ihres Stadtraumes vorbildlich.
Es wird gezeigt, wie sich durch raumorientiertes,
kompaktes Bauen auch die unumgängliche Anpassung an die sich immer schneller
vollziehende Klimaänderung erreichen lässt.
Ermutigend schließlich das Fazit, dass eine
„neue Gründerzeit“, die sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
stellt, auf die Wiedergewinnung lebendiger Urbanität für Dresden zielen
kann.
Zum Referenten:
Dr.-Ing. habil. Matthias Lerm, 1965
in Leipzig geboren, lebt in Dresden und ist hier kein Unbekannter: In seinem
„Abschied vom alten Dresden“ (1993, erweiterte Neuausgabe 2001) stellte
er die Bauwerksverluste nach 1945 in ihrem Zusammenhang mit den gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen, den städtebaulichen Leitbildern und der Praxis der Denkmalpflege
dar.
Nach Assistentenzeit an der TU Dresden und
einem Forschungsjahr an der Columbia University in New York war er in der
baustärksten Phase der Nachwendeentwicklung im Dresdner Stadtplanungsamt
mit Aufgaben der Innenstadtentwicklung betraut, bevor er 2003 als Referent
für Nachhaltige Entwicklung auch die Koordination des UNESCO-Welterbes
Dresdner Elbtal übernahm.
Als Autor zahlreicher Schriften zu Städtebau,
Architektur, Denkmalpflege und nachhaltiger Stadtentwicklung wurde er 2010
an der TU Dresden zur „Stadtplanung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“
habilitiert.
Er wirkt seit 2007 als Stadtarchitekt und
Leiter der Stadtentwicklung/Stadtplanung im aufstrebenden thüringischen
Jena, ist Mitglied der Architektenkammer Thüringen, des Deutschen Werkbundes
Sachsen und der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.
Der Förderverein Lingnerschloss nimmt
eine Eintrittsgebühr für die Sanierung des Schlosses.